Paraty – Barbieboot und Klappstuhlsteaks

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Costa Verde – Teil 2: Paraty

Tag 6 – erster Tag im ehemaligen Piratennest

Zusammen mit anderen Travelern tuckern wir die „grüne Küste“ nach unserem Kurztrip auf der Ilha Grande weiter in Richtung Süden. Es geht nach Paraty [Paratschi], dem altkolonialen Fischerstädtchen, das damals wie heute für seine Zuckerrohrschnapsbrennereien (Cachaca) bekannt ist – dem Zeug, das durch die Adern der Brasilianer, in Form von Caipirinha, fließt.

Nacheinander werden alle Passagiere bis vor die Tür der jeweiligen Pousada (Unterkunft) gebracht. Wir sind als letztes an der Reihe, nachdem der Fahrer den Kleinbus im ärgsten Stoßdämpfertest aller Zeiten durch die grobgepflasterte Altstadt gequält hat. Jeder ca. 1m³-Pflasterstein hat dabei dazu geführt, dass alle Insassen nach dem Schleudersitzprinzip mehrmals den Sitzplatz getauscht haben.

Die Pousada Vitoria ist die schönste, sauberste und sympathischste aller bisherigen Unterkünfte, und dabei auch noch die günstigste. 

Abends erkunden wir zu viert und ohne Schleudersitz die Altstadt und rennen mit Vollgas in die erste Touristenfalle: Cachaca-Verkostung! Erst gratis mit anschließendem Gruppenzwangkaufrausch. Ergebnis: Drei Flaschen Cachaca-Likör (Maracuja, Kokos und Schoko-Chili), die die gleiche Nacht nicht überleben sollten…

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 7 – Strand-Hopping per Barbieschiff

Zum Frühstück gab’s Kolibris und Affen… als Gäste. 😉 Die Affenbande war wohl auf der Suche nach der Kokusnuss, als sie versuchte, unsre Morgenruhe zu crashen. Der Kampf ums Essen geht unentschieden aus. Wir einigen uns auf folgende Güterverteilung: Ein Teller mit Kuchen für die Viecherl. Ananas, Papaya und Wassermelone für uns!

 

 

 

 

 

 

 

 

Gestärkt treffen wir auf dem Weg zum Hafen auf den Hipster-Hund mit der kuriosesten Frisur Brasiliens, der es sogar in unsere Altstadt-Selfie-Session schafft. In Hafennähe hat sich das Bild des Vorabends verändert: Bei Vollmond sorgt die Flut für überschwemmte Straßen in Meeresnähe, bei Ebbe wiederum liegen viele Boote im Gatsch – so wie an diesem Morgen. 

 

 

 

Nur falls sich wer wundert – die Kirche am Hafen schaut nur auf dem Bild so aus, als hätte man eine Sperrholzfassade aufgestellt, wie beim Schuh des Manitu (Puderrosa Ranch).

Unser Plan ist es, einen Fischer zu finden, der uns für wenig Geld an einem der schönen nahegelegenen Strände absetzt, während Karin und Babsi eines der schrill-bunten spielzeugartigen Disney-Barbie-Booten, die man am Hafen bewundern kann, chartern und Strand-Hopping betreiben wollten. Auf dem Weg zum Anlegesteg klappern wir gemeinsam ein paar Boote ab und wir lassen uns von den günstigen Nebensaisonpreisen verführen, sodass dann doch ein Viererausflug daraus wird. 

Die freundliche Sonnenbrillenverkäuferin, die wir an dem selben Abend noch kennenlernen werden, sollte Recht behalten mit ihrem Ausspruch:

„The best thing about Paraty? – The bitches!“ 

Natürlich meinte sie damit „the beaches“ – sau lustiger Aussprachefehler, den sie nach unserem Totlachanfall auch prompt und mit knallrotem Kopf berichtigte. 

Kapitän Glauter (so hieß der nette Mann) wurde sofort das Ruder entrissen und schon ging’s los, im Zickzackkurs an den kleinen Inselchen vorbei, die Atlantikküste entlang zum ersten Traumstrand.

Highlights des Ausfluges:

  • Praia Jurumirim

  • Praia Lula (featuring Arielle – die Meerjungfrau)

  • Praia Vermelha

Der Rückweg bei tiefstehender Sonne und tuckerndem Motor ist im Anschluss so romantisch, dass sich sogar die Travel-Ente auf der Schulter blicken lässt.

Zurück in Paraty suchen Antje und ich die Streetfood-Standl nahe des Hostels auf. Ein lustiger Typ mit Grill hinter seiner Bretterbude hatte schon am Vortag leider nichts anzubieten als undefinierbar verkokeltes „Zeugs“. Heute aber sah man schon von weitem, was da so auf dünner Flamme vor sich hinbrutzelte – ein Klappstuhl! Kein Witz! Vielleicht eine Spezialität aus der Piratenzeit – man muss eben essen, was da ist… und mit ordentlich Cachaca geht eh alles runter! Da wir leider kein Cachaca dabei haben und Klappstühle für den europäischen Magen unzumutbar sind, gehen wir weiter.

Gleich ein paar Meter weiter – ein Zuckerrohrsaft-Standl! Perfekt! Schmeckt wunderbar – pur, oder mit einem Spritzer Zitrone. Am besten schmeckt’s aber selbstgepresst:

Tag 8 – Strandtag und Abreise nach Sao Paulo

Am letzten Tag hat mich dann leider, wie so oft, die klassiche „Endlich-Urlaub-und-schon-krank“- Grippe vollends heimgesucht (den Blogeintrag über Rio hatte ich ja wie erwähnt im Fieberwahn aus dem Hostel von Sao Paulo aus zu Ende geschrieben). Deshalb beschließen wir getrennte Tagesziele. Karin und Babsi fahren per Bus zum Wasserrutschen-Wasserfall im Dschungel, Antje und ich legen uns gemütlich an den Strand von Paraty. 

Und dann geschah es, das Unvorhersehbare und nie für möglich gehaltene trat ein: Antje im -10 °C-kalten Wasser gesichtet!! 

Seltenes Beweisbild:

Tchau (brasil.) Paraty und danke für die fette Grippe. Ich schieb sie einfach auf’s Schmuddelwetter in Rio, denn böse sein kann man dir eh nicht. Der Küstenstreifen und die Zeitreise, zurück in die Epoche von Captain Hook und Co. waren phantastisch!! Immer wieder gern und sehr zu empfehlen, finden

Antje, Karin, Babsi und Stephan

PS: Wir hinken mit dem Berichten mittlerweile schon etwas hinterher. Ich bin zwar wieder topfit, aber im Chaos der grenzüberspringenden Weiterreise nach Bolivien und den Erlebnissen vom hinterletzten Flecken der Welt, genannt Pantanal, die erst einmal verarbeitet werden müssen, kommt das Schreiben eben zum Erliegen 😉

Wir haben also in der Zwischenzeit so einiges erlebt und sind nach einer insgesamt 24h dauernden Busodyssee und der Grenzüberschreitung am letzten Außenposten Brasiliens, gesund und munter in Santa Cruz de la Sierra angelangt, von wo aus wir jetzt auch diesen Beitrag raushauen 🙂

Buenos dias a todos und vielen lieben Dank für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag!!! 🙂

 

Ein Gedanke zu „Paraty – Barbieboot und Klappstuhlsteaks

  1. Toller Reisebericht! !Liest sich wie ein lustiger Roman.Unsere Lachmuskulatur wird ganz schön strapaziert. Freue mich auf die Fortsetzung …

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