Machu Picchu – Letzter Zufluchtsort der Inkas

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Der feuchte Traum eines jeden Archäologen

Alle Wege führen ja bekanntlich nach Rom… nach Machu Picchu leider gar keiner. Dafür hat man trotzdem die Qual der Wahl, um hinzukommen:

  • Die Luxus-(Geld-spielt-keine Rollex-)Variante: Per Zug, der ausschaut, als hätte man im Interieur Inkagold verbaut. Er führt entlang des Urubamba-Flusses durchs heilige Tal direkt zum 30km entfernten Aguas Calientes, auch genannt Machu Picchu-Pueblo, dt. Dorf. Bequemster Weg, schweineteuer, reinste Abzocke!
  • Die Trainspotting-Variante: Illegal zu Fuß entlang der oben genannten Bahnstrecke wandern. Dauert ca. 8h, soll ganz nett sein und dem zahlenden Volk beim Champus-Trinken im Zug zuwinken kann man auch.
  • Die Hardcore-Variante: Der Salcantay-Trek – fünf bis sechs Tage Wanderung erst durch’s Hochgebirge über 4600m, dann runter durch den Dschungel bis Machu Picchu. Geschlafen wird im Zelt.
  • Die Möchtegern-Hardcore-Variante: Der Inka-Trail. Mittlerweile limitiert, da komplett überlaufen. Reservieren muss man monatelang im Voraus.Außerdem im Gegensatz zum Salcantay-Trek ganz und gar nicht umsonst. Exlusivität kostet.
  • Die Wir-haben-kein-Geld-und-keine-Zeit-Variante (WhkGukZ): Genau unser Ding! Per Bus ums Gebirge drumherum in 7h, dann 3h Fußmarsch durch den Dschungel entlang des Urubamba-Flusses und der Gleise bis Machu Picchu Pueblo inkl. Verpflegung und Übernachtung.

Die WhkGukZ-Attacke auf Machu Picchu hat nur einen Haken – wieder viel zu früh aufstehen! Die Abfahrt um 6 Uhr morgens von Cusco hätten wir auch fast verpennt! Ziemlich matt in der Birne ballern wir in Formel1-Geschwindigkeit die Gebirgspässe hoch.

In Südamerika gibt es übrigens nur zwei Arten von Busfahrten: Entweder man hat einen eingeschlafenen Busfahrer samt Schrottbus und Schneckentempo oder aber man erwischt den (meist kokakauenden) Geisterfahrer, der den Bus selbst in den Kurven und beim Russisch-Roulette-Überholmanöver auf Lichtgeschwindigkeit bringt und zu haus Fast&Furious in Dauerschleife laufen lässt.

Unser Busfahrer gehörte der zweiten Kategorie an!

Wir sitzen also wie gesagt matt im Rennbus und schrauben uns mit Schallgeschwindigkeit in Richtung 4300m-Pass. Neben uns saßen unter anderem Esoterikerinnen, die zeremonienartig in einem selbstgestickten Inkatuch Kokablätter rundreichten, die sie dann ähnlich der Obladenverteilung in der Kirche in den Mund schoben und zärtlich kleinkauten.

Gegen den letzten Streckenabschnitt war dann die bolivianische Death-Road schon fast eine Autobahn. Rechts erdrutschgeplagte Hänge – links ein endloser Abgrund, der noch stärker gähnte als wir.

Irgendwann kamen wir in Hidroelectrica an. Hier endet die „Straße“… und auch die Gleise der Luxus-Bahn, die aus der anderen Richtung kommt. Entlang dieser Gleise geht es nun 3h durch tolle Regenwaldlandschaften nach Aguas Calientes, Machu-Picchu-Pueblo, da am Fuße des Ruinenberges gelegen.

Autogramme wollten sie dann auch noch von uns am Eingang… sind scheinbar schon ziemlich bekannt, hier in Südamerika:

Immer entlang der Gleise. Der zipfelmützige Berg mit der netten Wand heißt Montana Machu Picchu – die Ruinenstadt liegt kaum erkennbar links vom Gipfel auf dem Sattel.

Auch für die schlachtenden und raubenden Spanier blieb die Inka-Stadt verborgen. Mangels Überlieferungen existieren heute nur Theorien über die Existenz der Stadt. Nicht einmal der wirkliche Name ist bekannt. Benannt wurde die Ruine nach dem Hausberg Machu Picchu („alter Gipfel“). 1911 war der britische Forscher Bingham eigentlich auf der Suche nach etwas ganz anderem, als er rein zufällig diese archäologische Sensation wiederentdeckte. „Hey Junge, kennst du den Weg nach Vilcabamba?“ – „Nein, kenne ich nicht, aber über uns in den Bergen, gibt es eine uralte Siedlung, die ich dir zeigen kann“.

Bis zu 1000 Inkas muss die Stadt damals beherbergt haben. Einer der Theorien nach geht man davon aus, dass Machu Picchu damals 1450 als letzte Zufluchtsstätte für den Inkakönig inklusive Anhang fungierte. Auch die Hintergründe der Aufgabe der Stadt sind nicht bekannt. Auf der Flucht vor den Spaniern muss die Stadt als Ausgangsort für den Rückzug der letzten Inkas ins Amazonasgebiet gedient haben.

Heute gehört Machu Picchu zu den neuen sieben Weltwundern. Täglich besuchen durchschnittlich 2500 Menschen diesen Ort. Wir gehören bald auch dazu:

Am wilden Urubamba entlang, vor Schwärmen von Sandflys flüchtend (stehenbleiben und Bild schießen = 1 Biss), durch märchenhaften Urwald, war die dreistündige Wanderung zum Fuße von Machu Picchu eine wunderbare Einstimmung auf das, was am nächsten Tag noch kommen sollte.

Pünktlich zur Dämmerung und zum einsetzenden Regen – Ankunft in Aguas Calientes:

Sehr idyllisches Nest, dieses Aguas Calientes / Machu Picchu Pueblo, könnten nur mal aufräumen hier:

Zum Abendessen gab’s die mittlerweile ungefähr 1000ste Trucha (Forelle) und Instruktionen für den morgigen Ablauf. Auf Machu Picchu werden Massen abgefertigt wie auf dem Fließband – in zwei Blöcken:

Block 1(wir): 6 Uhr – 12 Uhr. Block 2: 12 Uhr – 17 Uhr. Busse karren die Bequemen unter den Besuchern bei Bedarf die 400 Höhenmeter die in den Berg gebaggerte Serpentinenstraße hoch. Um 5 Uhr morgens öffnet im Tal der Zugang zum Berg für die Busse und die Do-it-yourself-Fraktion (zu Fuß den Berg hoch), zu der wir gehören. Das heißt – wieder einmal kein Schlaf… wird eh überbewertet!

4 Uhr morgens in Peru: Rrrrring!! „Ich hau den Wecker noch kaputt!“ – irgendwie in Gang setzen, der Kopf kann ja weiterschlafen. Raus aus dem Hostel. An der unendlich langen, die komplette Kleinstadt durchquerende Warteschlange der bequemen Bus-Shuttler vorbei zum Einlass. Von dort eine Stunde bei Nieselregen und gefühlt 200% Luftfeuchtigkeit den Berg hochgerannt. Die ganze Masse an Frühsportlern will pünktlich zum Sonnenaufgang oben ankommen. Michal aus Polen, in Wien lebend, war mit von der Partie.

In Erwartung eines unglaublichen Sonnenaufgangs rannten wir wie blöd die steinernen Stufen hoch zum Haupteingang. Rebeka, unsere Guidine trieb alle Teilnehmer zusammen, kurz noch die Regenjacke überziehen, aber wird ja sicher gleich aufhören zu nieseln, pünktlich zum Wahnsinns-Sonnenaufgang… und dann kam er:

Trommelwirbel!!!

Tataaaaa. Machu Picchu in seiner vollen Pracht (kein Filter – alles echt!!!):

 

Rebeka: „Okay, my friends! Now we are at one of the most impressive viewpoints of Machu Picchu. Normally you would see the amazing landscape, which is surrounding the ruins…“ – ah jach! Können wir uns alles vorstellen, irgendwie. Aber en bissl was davon sehen wäre schon nett. Weiter geht die Führung, mit Sichtweiten bis zehn Meter. Yeah!

Tibi und Antje nutzen die Gelegenheit für ein phantastisches Profilbild-Selfie:

Skeptiker mögen jetzt sagen „pah… von wegen Machu Picchu… so ein Bild schieß ich dir hinterm Haus bei Mistwetter…“. Deshalb hier noch das GPS-Beweisbild:

Auf dem Screenshot auch sehr gut erkennbar – der Weg, den wir gestern zurück gelegt haben: Von unten links im Bild entlang des Flusses bis zum rechten Rand, da wo die Serpentinen für den Bus anfangen.

 

Der Sonnentempel, die einzige runde Mauer in der ganzen Ruinenstadt:

Präzises Inka-Mauerwerk:

Erdbebensichere Häuser: Mit nach innen geneigten Mauern konzipiert, die beim Einsturz in sich zusammenfallen würden. Somit mussten die Inkas nur vor die Haustür gehen und konnten sicher sein, nicht erschlagen zu werden – gut mitgedacht!

 

„Was soll man da nur machen, bei dem Sauwetter?!“ – denken sich nicht nur die Menschen:

Alpaka-Porno mit Lamasutra!

Und dann geschah es!!! Für lächerliche 15 Minuten riss urplötzlich die Nebelwand auf und gab den Blick frei auf das, was wir uns die ganze Zeit vorstellen mussten. Glücklicherweise standen wir zu dem Zeitpunkt spekulierenderweise am Aussichtspunkt:

 

Und es wurde noch besser:

Nach diesem kurzen, unerwarteten Feuerwerk mussten wir um 11 Uhr den Rückzug antreten… da unten war unser Weg zurück:

Wieder runter vom Berg und drumherum. Das Wetterglück hatten wir aber bei den 15 Minuten Sicht oben schon komplett aufgebraucht, deshalb fing es jetzt so richtig an zu schütten. Heißt ja nicht ohne Grund „Regenwald“. Etwas durchnässt, hundemüde, aber mit tollen Eindrücken kamen wir nachts zurück nach Cusco.

Normale Leute fallen jetzt tot um und schlafen erst einmal eine Woche durch. Weil wir dafür aber die Zeit nicht hatten, gingen wir erst einmal in die nächstbeste Agency, buchten die nächste kurze Nacht und die „Rainbow-Mountains“-Tagestour gleich für den nächsten Tag. Aufstehen um 4 Uhr. YES!!! Immerhin 4 Stunden Schlaf. Eigentlich viel zu viel, reicht noch für ein Tages-Abschluss-Pisco-Sour. Prösterchen ihr Ausgeschlafenen – die Augenringe wurden in zweistündiger Arbeit wegretuschiert:

Machu Picchu – Weltkulturerbe und wenn man mal was sieht, auch zurecht! Insgesamt eine absolut lohnende Tour, umso lohnender, je langsamer man sich dieser Ruine, hoch oben in den Bergen, nähert – und nicht ohne Grund komplett überlaufen! Wir empfehlen für Langsam-Traveller den Salcantay-Trek, waren aber mit unserer 2-Tages-Vollgas-Variante nicht unzufrieden! 🙂


Weit entfernte Grüße aus El Salvador, einem Land das man, ginge es nach den Medien oder dem Einreise-Beamten am Flughafen, besser gar nicht erst betreten sollte. Wie so oft, alles überdramatisierter Quatsch – es ist einfach nur phantastisch hier.

Sonnige Grüße

Antje und Stephan 🙂

 

2 Gedanken zu „Machu Picchu – Letzter Zufluchtsort der Inkas

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