Rainbow Mountain – Der 5000m hohe Misthaufen

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Das Paradebeispiel für Touristen-Massenabfertigung

Diesen Bericht schreibe ich heimlich – denn eigentlich wollte sich Antje dieser Sache persönlich annehmen, weil sie befürchtet, er könne zu negativ ausfallen, wenn ich ihn schreibe. 😉

Aber was raus muss, muss raus. Die Wahrheit – nichts als die Wahrheit! 😛

Die Rainbow Mountains – Touristenmagnet in der Nähe der Touristenhauptstadt Cusco gelegen, stinkt bis zum Himmel! Und zwar nach Pferden und vor allem dem, was in unfassbaren Mengen aus den Gäulen hinten raus kommt. 

Von Anfang an:

Irgendwann im Jahre 2015 von Trekkern bekannt gemacht und seit Anfang 2017 systematisch nach allen Regeln der Vermarktungskunst für den Massentourismus zugänglich gemacht, negative Auswirkungen inklusive! Für die jährlich ca. 1,3 Millionen Touristen in Cusco stellt sich dieses Naturwunder folgendermaßen dar:

  • Tagestour, also gut erreichbar ab Cusco per organisierter Tour (inklusive Transfer, Essen, Guide)
  • 5000m hoch, also für jeden Möchtegern-dünne-Luft-Einatmer eine magische Höhe
  • Unglaubliches Farbspektakel – glaubt man den Werbeplakaten in Cusco, oder manchen Instagram-Bildern(alle Filter in Reihe geschalten). Hier ein Beispielbild aus dem Internet:

Reaktion jedes Touristen: DA MUSS ICH HIN! Und weil wir auch bloß Touristen sind, die Vermarktungsstrategie bei Antje besonders gut gegriffen hat und wir auch nicht ahnten, was uns dort tatsächlich erwartet, mussten auch wir hin!

Wer die schlaflosen Nächte unseres bisherigen Peruaufenthaltes mitgezählt hat (Cusco – Beitrag, Machu Picchu – Beitrag), weiß Bescheid und kann sich denken, was jetzt kommt – richtig! Aufstehen um 4 Uhr, Abfahrt um 5 Uhr zu den ca. 130km entfernten Rainbow Mountains. Der Fahrer war wieder von der Fast&Furious-Fraktion. Auf dem Weg hoch zu dem Startpunkt der Wanderung wunderten wir uns noch: „Da sind aber ganz schön viele Großbusse unterwegs…“ Oben angekommen: Riesiger Parkplatz inmitten der hochalpinen Wüste! Busse soweit das Auge reicht – fast so viele wie beim Spiel Dortmund gegen Bayern vorm Stadion.

Ein paar Meter weiter den bestens ausgebauten Weg entlang, vorbei an unzähligen Snack-und Souvenir-Ständen…

… ging es los: Pferde…

… Pferde…

… Pferde…

… und noch mehr Gäule…

… samt prachtvoll (traditionell?) geschmückter Pferdeflüsterer.

Wo gehfaule Touristen – da auch viele Pferde – und wo Pferde – da auch reichlich Mist, was an den Rainbow-Mountains auf dem Weg nach oben zur Hauptattraktion dazu führt, dass man als fleißiger Wanderer entweder auf einem Haufen ausrutscht, von einem Pferd über den Haufen getrampelt oder allein vom Gestank niedergestreckt wird!

Zu viel für Tibi und mich. Auf halber Strecke kam dann Gott sei Dank die Rettungsstation: Bierchen!

Ein Pferdeführer witterte schon fette Beute und fragte uns (wie ungefähr 1000 seiner Kollegen vor ihm), ob wir nicht lieber per Pferd hoch wollten. „No gracias, Señor!“. Aber ein Bild geht schon!

Man beachte die „Bergstiefel“ des Mannes! Wo die Touristen teilweise auf allen vieren (kein Scherz!) sich japsend den schottrigen Berg hochquälen, Minischritt für Minischritt, rennen diese Leute mit kaputten Sandalen im Vollsprint (!!) wieder den Berg herunter, in der Hoffnung auf den nächsten gehfaulen Touristen, der auch sicher schon wartet!

Wir versuchen, uns den Spaß nicht verderben zu lassen. Selbst als uns mal wieder ein Gaul samt Beladung erst von hinten fast umtrampelt und dann vor die Füße scheißt, lassen wir uns nicht beirren.

Kurzes Beweisvideo, stellvertretend für den gesamten Aufstieg:

Um einen herum färbte sich die Landschaft langsam und nahm die von den Prospekten bekannten Farben an, die durch unterschiedliche Mineralien in den Sedimentgesteinen entstanden sind. Sieht man, wenn man es schafft, an den ganzen anderen Leuten vorbeizuschauen oder wenn man eine Luftaufnahme macht, so wie wir:

Ab einer bestimmten Höhe, schon recht weit oben, wird plötzlich der Blick frei auf den nahegelegenen 6384m hohen Ausangate, um den herum ein wunderschöner, einsamer Mehrtages-Trek führt.

Nach einigen Pferdeausweichmanövern und Abstechern in ein trockenes Bachbett, um den Heerscharen an Mitstreitern zu entfliehen, war es dann endlich soweit: Wir kamen zum Postkartenmotiv! Diesem einen verrückt gefärbten Hügel. Antje freut’s, Tibi und mich dann letzten Endes auch. 😉

Einfach mal wieder hochscrollen und das erste Bild des Beitrags mit unseren echten Bildern vergleichen. 😉

Gipfelbierchen!

Setzt man beim Fotomachen weiter oben an, sieht’s fast schon idyllisch aus:

Die Wahrheit schaut nur leider so aus, dass selbst die Einheimischen, gekennzeichnet durch die Inkaflagge, sich wundern über den Massenandrang:

Nach einer nicht enden wollenden Selfie-Session waren alle Bilder im Kasten. Kalt und windig war’s außerdem auch da oben auf 5100m. Schnell wieder runter und zurück ins Bett!

Beim Rückweg kam uns nicht nur unser unnötiger Guide (war bei der Tour inklusive) entgegen, sondern auch einige andere Touris, die sich nach anfänglicher Quälerei doch noch für den Gaul entschieden hatten. Selbst auf die letzten Meter aufwärts brechen Leute ein und setzen sich auf den Esel! Hoffentlich sind diese extra teuer, dachten wir uns, während wir wieder ein paar Scheißhaufen ausweichen mussten. Die einzigen von uns akzeptierten Haufen stammten von den hier oben lebenden Lamas. Im Gegensatz zu den Pferden gehören diese Tiere hier her und machen zudem noch brav ihr Geschäft fein säuberlich auf der gleichen Stelle:

Im Bild unten sieht man, wie unterschiedlich mit der Tradition umgegangen wird. Walt-Disney-Rucksäcke treffen auf traditionellen Inka-Tuch-Rucksack:

Beim Blick zurück zeigt sich der ganze Wahnsinn noch einmal: Ameisenstraße mit Selfie-Menschen-Traube auf dem Aussichtshügel oben rechts:

Im Bild ist auch gut erkennbar, dass wir uns, wie schon beim Aufstieg, abseits des Getümmels einen eigenen Weg gesucht haben. Dort lagen nämlich (noch) keine Pferdehaufen – dafür ein Deutscher Trekker mit Zelt: „Das ist mir zu blöd hier, ich warte bis zum Sonnenuntergang – dann sind die Leute alle zurück in Cusco.“ – wir nämlich auch!

Recht hat er!

Stephan-Fazit der Tour: Kann man mal machen – muss man aber nicht!

Schon gar nicht als massenabfertigende Tagestour. Wer ausgeschlafen ist, Zeit hat zum Langsam-Traveln und im Zelt nicht zu erfrieren droht, sollte unbedingt den Ausangate-Trek machen. Der führt nämlich auch an den Rainbow-Mountains vorbei und bietet weitere spektakuläre Ausblicke in der hochalpinen Wunderwelt.

Soch… mit zwei Monaten Abstand finde ich, kommt der Berg mittlerweile beim Rückblick etwas besser weg. 😉

Jetzt geb ich ab an Antje, die das ganze etwas anders wahrgenommen hat.


Antje-Fazit der Tour: Das Ziel ist das Ziel!

Auch wenn die Pferdehaufen und die vielen Leute echt nervig waren und der Weg selber auch nicht besonders spektakulär war, kommt man am Ende an einem einzigartigen Schauspiel der Natur an, das man so sonst nirgends findet, auch ohne Photoshop-Farben. Außerdem war Stephan damals so extrem unausgeschlafen und grantig, dass er eindeutig eine verzerrte Wahrnehmung hat. Ihr hättet ihn mal schimpfen hören sollen bei jedem einzelnen Pferdehaufen 😉 – pure Übertreibung und für mich ein einziges Kabarett!


Hab die Tastatur jetzt wieder aus Antjes Händen gerissen… das war ihr letzter Beitrag!

Es steht also unentschieden in Sachen Rainbow-Mountains. Da muss Tibi entscheiden…


Tibi-Fazit der Tour: ……………

@Tibi: Her mit dem Fazit! 😉

 


Wir sagen derweil adios… nicht mehr „chao“, weil wir der mexikanischen Grenze nämlich immer näher kommen und legen uns jetzt am Lago de Atitlan in Guatemala ins Bett, um DAS HIER von gestern weiter zu verarbeiten:

4 Gedanken zu „Rainbow Mountain – Der 5000m hohe Misthaufen

  1. Hallo Stephan,
    kannst’e die Tastatur Antje wieder zurückgeben, denn sie schriebt weniger aufgeregt wie DU.
    Liebe Grüße aus Weissach
    Uli

  2. Hallo Stephan,
    jetzt bin ich auch mal auf eurer Seite gelandet.
    Super Bericht, macht weiter so.
    Schau mir in Zukunft mehr von euch an.
    Hoffe, es gab auf eurer Reise auch mal Linsen mit Spätzle;-)

    1. Jürgen!! Das is ja en Ding ? Warum hat das so lange gedauert? ? Linsen und Spätzle finden wir hier seit einem halben Jahr nicht auf der Speisekarte… deshalb kommen wir in 6 Monaten auch wieder zurück ?
      Grüße aus Neuseeland

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