Urlaub von der Weltreise

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Zwei Wochen Ecuador – Teil1: Meer & Berge

„Erholt euch doch mal…“ – hören wir aus der Heimat schon seit ungefähr zwei Monaten. Okay! Machen wir!

Haben wir nach den rasanten Wochen durch Bolivien und Peru auch echt nötig – wobei die Verlockungen, weiter Adrenalin in uns zu pumpen, in Ecuador fast schon zu groß sind:

  • 6000er gefällig? Ab auf den Monstervulkan Chimborazo, 6267m!
  • Bock auf Dschungelabenteuer? Auf zum Rio Napo!
  • Fliegenden Steinen ausweichen? Gibt’s am aktiven Vulkan Reventador!
  • usw….

Aber Achtung – Reiseburnoutgefahr!!

Außerdem hatten wir das ja alles schon, bzw. werden es noch haben und schöne Strände hat Ecuador auch noch im Angebot. Also auf zum ersten Pazifikstrand unserer Reise – und zwar nach..

MONTANITA

Dieses Aussteiger- und Surfernest kenn ich noch von meinem Surftripp 2014 mit Thomas und fand’s sehr entspannt – durchgeknallt, aber entspannt! Was Antje und ich dort gemacht haben, ist schnell erzählt: Nix!

Die Hängematten im schön angelegten Hidden-House-Hostel haben mich nur ausgespuckt zum Essengehen, Slacklinen und zweimal zum Surfen – Antje gar nur zum Essengehen. Sie hat sich ganze sechs Tage lang nicht bewegt und steht auch dazu! Außerdem wollte ihr Zehnagel nach der Huayna Potosi – Besteigung kein Teil mehr von ihr sein und hat sich in mehreren Stadien des Leidens von ihr verabschiedet, was sie etwas mitgenommen hat. 😉

Das gleiche Schicksal ereilte ihre Lippe nach der Sonneneinstrahlung auf dem Nevado Pisco.

Die Nebensaison machte sich folgendermaßen bemerkbar:

  • Wetter: Grau in grau bei angenehmen Temperaturen
  • Unter der Woche mehr Angestellte als Gäste im Hostel. Einer vom Team rechelte stundenlang Zen-Garten-Muster in den Sand vor Langeweile. Ein anderer wischte immer wieder die selben unbenutzten Tische ab

Hidden-House-Hostel:

Unser Haustier:

Mein Moskito-Liebesbeweis (sie lieben mich – dafür hasse ich sie):

Völlerei:

Neidvolle Blicke… er hatte es auf Antjes Languste abgesehen – die Pommes, die ich ihm geben wollte (unten links), hat er eiskalt verschmäht:

Surfin‘ in the sun (nicht) mit Surfpro Andy aus Galapagos und Johann aus Bogota:

Und nach sechs Tagen waren wir bereit für die höchstgelegen Hauptstadt der Erde:

QUITO

Die Hochgebirgsstadt Quito (2850m) empfing uns mit erstaunlich gastfreundlichem Wetter. Nach den sechs Tagen in der Küstennebelsuppe von Montanita brauchten wir da nicht mal ne Happy Hour, um die Stimmung zu heben. Endlich wieder Vitamin D! 😉

Angereist sind wir per achtstündiger Busfahrt über Nacht schneller als erwartet und schneller als Google-Maps vorhergesagt hat – verrückter Busfahrer sei Dank – wieder einmal. Großer Vorteil von Nachtbusfahrten – man sieht die Überholmanöver in den Kurven nicht.

Bei buntem Wettermix (bis nachmittags recht schön, ab dann gewittrig) starteten wir in und um Quito herum die verschiedensten Erkundungstouren und Ausflüge.

Erst mal einen guten Überblick verschaffen auf der Basilica del Voto Nocional, der größten neugotischen Basilika in Amerika:

Über handgeschweißte Stahlkonstruktionen, die in unseren Landen jeden Schlosser und TÜV-Prüfer in den Wahnsinn getrieben hätten, gelangt man bis fast ganz nach oben:

Blick auf die umliegenden Vulkane (Cayambe im Hintergrund):

Auffallend war die clever ausgeführte Bauart – gemauert schaut’s am edelsten aus, deshalb einfach mal die Muster von Bausteinen in den Stahl-Betonmantel reinritzen:

Quito ist nicht nur Hauptstadt von Ecuador, sondern auch Touristenhauptstadt. Das sieht und spürt man an jeder Ecke. Als Tourist wird man da auch gerne mal als Geldbeutel-auf-zwei-Beinen angesehen. Unsere Sammlung an Abzock-Erlebnissen hat die Stadt jedenfalls um einige Kapitel erweitert.

Lustigstes Beispiel: Wir gehen wie so oft zur Lavanderia, also zur Wäscherei, wo man pro Kilos zahlt. Also rein in den Laden und den Wäschesack drauf auf die Waage. Mittlerweile können wir das Gewicht schon beinahe aufs Gramm genau abschätzen – es müssen ca. 4,5 kg gewesen sein. Anzeige der Waage: 7 kg. – Komisch! Wie es der Zufall wollte, kamen wir gerade vom Supermarkt und hatten eine 5 Liter-Bombe Wasser bei uns. Schaumamal! Drauf auf die manipulierte Waage… und:

(Hinweis zum Bild: Das ist nicht meine Hand – so braun bin ich noch nicht)

Ah jach! 12 Kilo statt 5! Sappalott! „Ihr seid doch Touristen und habt eh genug Geld…“ meint die Betreiberin zu uns. Wir verhandelten daraufhin nicht den Preis, sondern die Kilos runter! Irgendwann wurden wir uns dann immerhin einig. 😉

Weil wir beide nicht wirklich die geborenen Stadtmenschen sind, zog es uns nach zwei Tagen Stadtgetümmel für einen kurzen Abstecher wieder nach oben an die frische Luft. Samantha und Léa aus Frankreich waren mit von der Partie. Kaum 18 Jahre alt haben sich die beiden von zu hause aufgemacht, um die Welt zu bereisen. Seit Monaten waren sie schon unterwegs in Südamerika, vor allem Chile und zwischendurch auch schon als Ziegenhirtinnen und Crêpe-Bäckerinnen tätig. Also los in luftige Höhen, zunächst einmal per Lift. Der „Teleferico“ und die Aussicht auf Quito sind für sich schon ein Erlebnis:

Die Stadt selbst ist ja schon sehr hoch gelegen – die Bergstation des Teleferico knackt sogar die 4000m. Da ist die Luft dann schon deutlich dünner, was uns, nach den vergangenen zwei Monaten aber im Gegensatz zu den meisten Neuankömmlingen hier oben in den Anden, nichts ausmacht.

Neben den üblichen Snacks diese Woche im Angebot: Sauerstoff!

Im Tal bereits unschlüssig, entscheiden sich Samantha und Léa schließlich japsend gegen die Wanderung. Antje und ich machen uns also alleine auf den Weg zum…

RUCU PICHINCHA (4690m),

dem „Hausberg“ Quitos. Auf den erloschenen Vulkan führen zwei Routen:

  • Rot: Normalroute – Wanderweg
  • Gelb: Klettervariante – einfache, aber luftige Kletterei den Grat hoch über den „paso de la muerte“, den Todespass

Wäre ich nicht schon beide Varianten damals mit Thomas hochgerannt (in Vorbereitung auf den Iliniza Sur), hätten wir uns sicher vom „Todespass“ und den Warnschildern abschrecken lassen aus Ungewissheit. So aber war klar – es wird geklettert!

Cooles Hinweisschild: „Bitte ab 5000m ausschauen wie ein richtiger Bergsteiger!“

Kurzer Selbstcheck:

Tjo… geht scho!

Wie sehr wir an die Höhe gewöhnt sind, merken wir, als wir reihenweise andere schnaufende Wanderer oder gar Umkehrer passieren. Auf 4420m beginnt die Kletterstrecke:

Und nach toller Genusskletterei an bestem Fels und ein paar Gehpassagen dazwischen…

… Summit!!

Leider kein hübscher Gipfel (kleinstes Knaup-Gipfelkreuz der Welt), dafür mit netter Aussicht. 🙂

Oben knurrte dann schon ordentlich der Magen, deshalb schnell über den Normalweg wieder runter:

Als wir dann zu einem verspäteten Mittagessen wieder unten in der Altstadt saßen, so als wären wir gerade erst aufgestanden, mussten wir schon festhalten, dass uns die ganzen Touren bisher ganz schön abgehärtet haben. Der Rucu Pichincha war gefühlt bloß ein kleines Frühstück. So einen 4700m hohen Berg schütteln wir uns mittlerweile einfach so aus dem Ärmel. 😉

Am nächsten Tag wurde dann aber trotzdem wieder gefaulenzt. Tagestripp zu den Thermalquellen von Papallacta:

Den geplanten Salsa-Tanzkurs für Bewegungsbehinderte haben wir dann abends leider aufgrund des langsamsten Busses der Welt (die Straßenverkäufer konnten beim Fahren ein- und aussteigen!!) verpasst. So ein Pech aber auch. Ich hatte mich so gefreut (nicht). 😛

Bevor wir wieder die Riesenrucksäcke packten, um zum nahegelegenen Cotopaxi-Nationalpark weiterzuziehen, hingen wir noch einen ganzen Tag in Quito rum. Wir gingen zur Abwechslung mal in ein Museum und schauten uns Kunstwerke an… „so hätte also der Salsa-Kurs ausgeschaut?“… 

… und verabschiedeten uns noch von den zwei positiv verrückten Französinnen Samantha und Léa zu Tee, Café und Croissants:

Typisch Weltreise – ein Leben im Schnelldurchlauf: Man sammelt Eindrücke und Erfahrungen im Vollgastempo und lernt ebenso schnell neue sympathische Leute und ihre Geschichte kennen und verabschiedet sich wieder.


Eigentlich war geplant, Ecuador in einem einzigen Beitrag abzufertigen, aber das ging wohl in die Hose. Macht nix, denn der höchste aktive Vulkan der Erde, der Cotopaxi, ein perfekt symmetrischer, 5897m hoher Kegel aus Fels und Eis, ist allemal eine Sonderbehandlung wert! Gibt’s dann im nächsten Beitrag 😉

@Kim Dreher: Brauchst jetzt übrigens nicht glauben, dass ich mich zu diesem Beitrag von dir habe nötigen lassen! ;-P

Wem das alles zu lange dauert oder wer eh keine Lust auf Lesen hat – HIER geht’s zum Ecuador-Video!


Beste Grüße aus Yucatan, Mexiko. Wie schnell das geht… musste selber kurz überlegen, wo wir überhaupt gerade sind… aber jetzt weiß ich’s wieder! Wir sind nämlich genau an der Stelle, an der den Dinosauriern damals vor 66 Millionen Jahren der dicke Meteorit auf den Schädel gefallen ist.

Also nochmal servus… aus dem Krater!

 

Anmerkung der Redaktion: Das hier ist nicht der Krater, sondern ein Cenote. Für das Kraterfoto (Durchmesser 180km) müsste ich ins Weltall. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, erklären wir dann im Mexico-Beitrag in sechs Monaten. ;-P

Antje und Stephan

2 Gedanken zu „Urlaub von der Weltreise

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