Die Karibikküste Kolumbiens – Teil1

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Über Jardin an die Küste nach Cartagena de Indias, die Perle der Karibik

Wenn in meinem Hirn von dieser Passage unserer Reise noch was hängen geblieben ist, dann dass wir auf der Flucht waren. Auf der Flucht vor allen möglichen Dingen. Masseusen, Straßenverkäufern, Touristen, zu hohen Rechnungen, Sandflys… aber vor allem dem Regen! Es hat nämlich viel geregnet. Und wie es geregnet hat. Von alles durchdringendem Nebel über monotonen Bergregen bis zum tropischen Wolkenbruch war alles dabei.

Bei der Flucht vor der reiseburnoutbeschleunigenden Regenzeit in Kolumbien griffen wir deshalb noch einmal zum schnellsten Transportmittel, das es gibt – dem Flugzeug.

Aber immer der Reihe nach. Noch sind wir in Salento, schlürfen einen letzten Kaffee und machen ein Treffen aus mit Jochen, den wir bereits auf unserem Trip durch die Salzwüsten bei Uyuni in Bolivien kennengelernt hatten. Der war nämlich zeitgleich in Kolumbien. Genauer gesagt in Jardin und war begeistert davon. Also ab zu Jochen!

Jardin

Jardin (spanisch für „Garten“) liegt am Rande der Kaffeezone und steht für farbenfrohe Kolonialbauten und viel Natur. Leider, als wir dort waren, auch für viel Regen. Eine tolle Zeit hatten wir trotzdem. Zusammen mit den Weltreisenden Eva aus Reutte und Nico aus Insbruck unternahmen wir trockene und nasse Touren. Wir versuchten uns durch den dichten Dschungel Wasserfälle hochzukämpfen wie Indiana Jones zu seinen besten Zeiten, bekamen abends eine traditionelle Pferdeshow des kolumbianischen Cowboynachwuchses zu sehen und hatten alle mit Jochen zusammen unsere monatliche Dosis Pizza+Bier. Yeah!!

@Jochen: Wir haben’s verpennt ein Selfie zu machen! Bitte nachreichen! 😉

Wasserfälle soweit das Auge reicht – Antje freut’s:

Nach Jardin hatten wir dann aber auch genug vom Regen. 😉 Wir ergriffen die Flucht! Auf der Strecke blieb dabei die einstige Drogen- und heutige Kulturhauptstadt Medellin. Vom Wetterbericht angelockt ließen wir die Stadt links liegen und stiegen in den Flieger in Richtung Karibik, nach…

Cartagena de Indias

Kolumbien steht, wie man uns sagte, für drei Dinge: Den hochwertigsten Kaffee, die farbintensivsten Smaragde und den heißesten Salsa der Welt. Kaffee konnten wir bereits bestätigen, Smaragd und Salsa mussten wir uns noch genauer anschauen!

In Cartagena erlebten wir gleich zu Anfangs zwei Schockzustände. Erst den Hitzeschock…

und gleich danach einen kleinen Kulturschock. Es wimmelte nur so von Touristen! Das waren wir nach all der Zeit im bergigen Inland gar nicht mehr gewohnt. Die Stadt kochte förmlich über vor hauptsächlich pensionierten Kreuzfahrtreisenden aus den USA. Da winkt natürlich das leicht verdiente Geld, deshalb waren die Straßenverkäufer in ähnlicher Anzahl vertreten wie die Touristen. Ich meine das ernst! Im beinahe halbminütigen Takt war man damit beschäftigt, dankend abzulehnen. Schmuck, Schnitzereien, Hüte, Zigarren, Krimskrams aller Art – „NO GRACIAS!!“. Ein Schild mit dieser Aufschrift hätte man mit sich rumtragen müssen. Nur ein falsches Anzeichen von Aufmerksamkeit und sie fallen über einen her.

Eines der größten Opfer, gleich nach den teilweise hilflosen Pensionisten: Antje.

Es passierte an einem der Stadtstrände. Wir legten uns in die Sonne und wollten nach der etwas strapaziösen Anreise einfach mal entspannen. Und schon waren sie da – die Masseusen! In einer Hand die Ölflasche, mit der anderen Hand schon halb am massieren. „NO GRACIAS!“ half da nicht mehr, weil Antje einen klitzekleinen Moment der Unsicherheit zeigte, obwohl sie eigentlich gar nicht wollte, behauptet sie zumindest. Mir wurde das ganze zu bunt – ich ging zur Kaimauer und hockte mich auf einen Stein. Im Augenwinkel sah ich noch wie sich die Masseuse über Antje hermachte, die gar nicht wusste, wie ihr geschah. Eine Minute später war Masseuse Nr.2 auch schon da: „Stephan!! Steeephan!!“, rief sie. Woher wusste die überhaupt meinen Namen?? Antje hatte ihn ihr verraten, weil sie ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hatte und mir die zweite Hälfte der Massagezeit zukommen lassen wollte, wegen meiner chronischen Kreuzschmerzen. Dann rief Antje selbst nach mir. Ich ging also wieder zurück und schaute kurz zu wie Masseuse Nr.1 immer noch an Antjes Füßen rumfuchtelte.

Plötzlich werd ich von hinten mit einer schmierigen Flüssigkeit vollgesudelt! Es war die übereifrige Masseuse Nr.2! Ich ließ sie nun etwas bestimmter wissen, dass sie mich in Gottes Namen in Ruhe lassen solle, weil mein Geduldsfaden mittlerweile dem Faden einer Seidenraupe ähnele – konnte das natürlich nicht auf Spanisch sagen, aber packte alles in Gesichtsausdruck und Intonation. Dies alles nachdem sie sich heimlich im Liegen meinen Fuß geschnappt hatte und an meinen Zehen anfing rumzukneten. Muss man sich mal vorstellen! Eigentlich zum Totlachen im Nachhinein! 😀 Beleidigt zog sie sich nach meinem „gleich hab ich Puls“-Gesichtsausdruck zurück. Masseuse Nr.1 war nun auch fertig mit Antje. 15 Minuten (statt 45 Minuten) hat er gedauert, der schmierige Spaß! Und dann kam die Rechnung!! Wir können uns nicht mehr an die Höhe erinnern, aber sie war völlig überzogen. Das hat man nun davon – eine Massagevergewaltigung ist heutzutage eben auch nicht ganz umsonst.

Kaum hatte Antje einen Schein in der Hand, war er auch schon weg. Schlechte Verhandlungsbasis. Weil’s plötzlich zu regnen anfing und ich auf die Diskussion nicht ausreichend Lust hatte, stellte ich mich unter eine Palme, während Antje auf beide Masseusen einredete. Nach ca. 15 Minuten sah ich wie Masseuse Nr.1 plötzlich davonrannte – und Antje hinterher. Quer über die Straße in die Häuserschluchten. Verfolgungsjagd! Erbarmungslose Antje gegen dreiste Masseuse und ich als Backup hinterher. Beide rannten in einen Supermarkt. Ich stellte mich securitymäßig davor. „Da kommt die nicht mehr raus…“. Nach weiteren zehn Minuten im Regen war die Verfolgungsjagd beendet und wir hatten zwar nicht das ganze Geld wieder eingetrieben, aber einen „angemessenen“ Teil. 😉 Der Grund für die Flucht in den Supermarkt? Sie war schlussendlich doch einsichtig, dass die ganze Aktion übertrieben war und kaufte eine Tüte Chips, um uns Geld wechseln zu können.

Cartagena sagt man nach, eine – wenn nicht sogar DIE schönste Kolonialstadt Südamerikas zu sein. Dass dies tatsächlich auch so ist, zeigen wir an dieser Stelle mal mit Bildern:

Im Bild oben: Besonders sehenswert herausgeputzt – die Obstverkäuferin in den Farben der kolumbianischen Flagge.

Cartagena wurde 1533 gegründet und war lange Zeit die wichtigste Hafenstadt für die kolonialisierenden Spanier, die zweimal im Jahr herkamen, um Waffen, Rüstungen, Werkzeuge, Textilien, Pferde und Sklaven zu vermarkten und alle Reichtümer (Gold, Silber, Perlen, Edelsteine) zu verschiffen. Aus diesem Grund wurde Cartagena häufig von Piraten angegriffen und ausgeraubt. Nachdem Sir Francis Drake die Stadt 1585 leergeräumt hatte, wurde es den Spaniern zu bunt und sie befestigten den Stadtkern mit einem elf Kilometer langen Schutzwall – größtenteils erbaut aus Korallen und mit Hilfe von Sklaven aus Afrika:

Und dann waren da ja noch die Smaragde und der Salsa-Tanz!

Als passionierter Mineraliensammler konnte ich den Geldbeutel gar nicht fest genug zuschnüren. Nach einem Besuch in zwei Museen, die aber eher Ausstellungen waren, und der Sichtung aller erschwinglichen Exponate fiel unsere Wahl auf dieses Prunkstück:

Stimmt natürlich nicht – der Klunker lag ca. 1500 € außerhalb unseres angestrebten Budgets 😉

Aber es wurde immerhin dieser hübsche Stein hier:

Wäre er farbintensiver, wären wir bereits pleite und zurück in Europa. 😉 Der Preis orientiert sich nämlich an der Farbintensität, der Klarheit und der Größe.

Den Smaragd haben wir eineinhalb Monate todesmutig mit uns herumgeschleppt und auf Hawaii unserer Freundin Isi aus München mitgegeben. Isi – wenn du das liest – er ist es nicht wert, sich ins Ausland abzusetzen! 😛

Weil der Reisegeldbeutel nach dem Kauf eh schon locker an der Hose hing, gingen wir abends gleich in die legendäre Salsa-Bude von Fidel. Der hat in seinem Leben schon für so viele Selfies herhalten müssen, u.A. mit richtigen Stars, dass er jeglichen Gesichtsausdruck mit der Zeit verloren hat. Ich glaub er hat sich in diesem Moment extrem gefreut, konnte es aber nicht zeigen. Vielleicht ist er auch einfach nur viel zu cool für diese Welt! 😉

In der Tanzbar Donde Fidel treffen sich alle Bandbreiten der Salsatänzer/innen. Vom hüftsteifen Tanzgoofy (ich) bis zum geschmeidigen Let’s-Dance-Profi ist hier alles dabei! 

Ein Einheimischer aus Bogota, dessen Name wir leider vergessen haben, gab uns einen Crashkurs. Nie war ein Name treffender – aber lustig war’s auf alle Fälle!! 🙂

Man vergleiche das Bild mit Fidel oben links im Bild mit unserem Fidel-Selfie! 😀

Katerfrühstück auf kolumbianisch: Eine kopfgroße Avocado!

Dem Salsa-Bandscheibenvorfall noch gerade so entkommen, verließen wir das Großstadtgetümmel in Richtung äußerster Norden des Landes. Zum höchsten Küstengebirge der Welt wollten wir – nach Santa Marta! Was da so los war, gibt’s im 2. Teil!


Kurz vorspulen… Servus aus Neuseeland! 🙂

Wir lümmeln nach unserer zweiten Viertagestour in den Alpen der Südinsel gerade am Lake Te Anau rum und erholen uns von unserem ersten Bergabenteuer auf diesem an Vielfalt kaum überbietbaren Inselstaat am, von Europa aus gesehen, anderen Ende der Welt. Das Panorama vom Gipfel des Berges (siehe roter Pfeil), der bei den Hollywood-Filmen The-Lord-of-the-Rings und Hobbit mehrmals imposant im Hintergrund auftaucht und den wir gemeinsam mit Alex, Brad und Chris bestiegen haben, war atemberaubend!!

 

Morgen brechen wir ganz früh auf zu einer 3,5 stündigen Kayaktour durch den Milford Sound in den neuseeländischen Fjorden! Wir sind schon gespannt!! 🙂

Viele Grüße

Antje & Stephan

2 Gedanken zu „Die Karibikküste Kolumbiens – Teil1

  1. bin mal wieder begeistert von eurem Bericht und den farbenfrohen Stadtbildern! Klepperhart gelacht habe ich über den „Tanzgoofy“… da wäre ich gerne dabei gewesen. Sehr schön ist auch das Bild mit der Festung, der Kanone, dem alten Schiff und der Wolkenkratzer-Skyline im Hintergrund!

  2. Ich verstehe leider nicht, warum du einen Vergleich deines Geduldsfadens zu dem Faden einer Seidenraupe ziehst, wenn du doch zu Ausdruck bringen möchtest, dass du nicht mehr so gut drauf warst?

    Du weißt schon, dass Forscher herausgefunden haben, dass der Faden des Maulbeerseidenspinners sehr elastisch ist und sich Druck äußerst gut anpasst, oder?

    Wenn du in Zukunft noch etwas wissen möchtest, melde dich doch gerne jederzeit!

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