Die Karibikküste Kolumbiens – Teil2

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Santa Marta – da, wo die höchsten Berge Kolumbiens auf’s Meer treffen

Bis zur beinahe völligen Entspannung zwangsmassiert (Antje zumindest), freuten wir uns nach den hitzigen und lauten Tagen im Schmelztigel von Cartagena wieder auf erfrischenderes Klima. An der Karibikküste Kolumbiens kann man sich die Klimazone schon fast aussuchen. Verrückte Sache, wenn auf engstem Raum tropischer Regenwald und Sandwüste aufeinander treffen. Verantwortlich für diesen außergewöhnlichen Mix ist das höchste Küstengebirge der Welt – die Sierra Nevada de Santa Marta. An wolkenfreien Tagen, die im Gebirge leider rar sind, kann man vor Hitze glühend vom Strand aus die gletscherbedeckten 5775m hohen Gipfel sehen. Dieses unzugängliche und zum Teil immer noch von Guerillagruppen kontrollierte Gebirge war in den 70er-Jahren das Hauptanbaugebiet für Marihuana – heute dominiert der Kokaanbau. Das mussten wir uns unbedingt anschauen – also den Küstenstreifen, nicht die Guerilla-Plantagen! 😉

Wer ein echtes Abenteuer will – hier der Tipp: Großen Backpacker mit Proviant und Bergausrüstung vollladen, am Strand einen letzten Cocktail schlürfen, genügend Insektenschutz aufladen, Machete wetzen und quer durch den Dschungel kämpfen bis hoch zum ewigen Eis am höchsten Gipfel Kolumbiens! Vorher aber rechtzeitig bei mir melden – ich komm mit! 🙂

Wir aber gehen zum nicht weniger spannenden Tayrona-Nationalpark!

Der Nationalpark ist nach den Ureinwohnern benannt, die leider das gleiche grauenhafte Schicksal ereilt hat, wie gefühlt alle indigenen Völker Lateinamerikas im 16. Jahrhundert – bestenfalls wurden sie vertrieben, oft aber ausgerottet. Einige Nachkommen gibt es aber in der Region immer noch. Sie sind durch ihre grauen Kutten, die traditionelle Kleidung der Tayrona, leicht zu erkennen. Dazu sind sie meist barfuß und tragen die Rucksäcke nicht an den Schultern, sondern am Kopf/Stirn.

Schmale Pfade schlängeln sich quer durch den dichten Regenwald des Nationalparks entlang des hügeligen Küstenstreifens nordöstlich der Stadt Santa Marta. Eingeschlossen vom gigantischen Gebirge Sierra Nevada im Süden, der Karibikküste im Norden und der Wüste im Osten. Schaut man sich vorher noch Indiana Jones – Tempel des Todes an, denkt man spätestens bei der ersten zugewucherten Tayrona-Ruine im Dschungel, man wäre mitten im Film und müsse gleich die Peitsche schwingen. Warum hat der Kerl eigentlich ne Peitsche und keine Machete, frag ich mich… egal, wir hatten weder das eine noch das andere – dafür wieder Hunger. Also vor dem Abmarsch noch einmal den Bauch vollschlagen.

Viele werden’s nicht sein, aber die Weltreisenden unter den Lesern können sicher bestätigen, dass egal in welcher Richtung man den Globus umrundet, die Wege sich gerade in Südamerika überraschend oft kreuzen, weil die Routen so ähnlich sind. So auch bei Eva und Nico, die wir ja bereits auf der Fahrt nach Jardin kennen gelernt hatten. 

Ein letztes Bierchen zusammen, bevor es für uns alle raus in die Wildnis ging.

Antje und ich hatten uns überlegt, zwei Nächte an einem der vielen traumhaften Tayrona-Strände zu verbringen, also insgesamt drei Tage durch den Nationalpark zu wandern. Weil Wochenende war und wir den Touristenscharen entkommen wollten, starteten wir die Tour nicht am östlich gelegenen Haupteingang, da, wo die ganzen Tagestouristen in den Nationalpark strömen, sondern mitten im Nirgendwo im zentralen Bergland. 

Die Indiana-Jones-Atmosphäre wurde kurz am unscheinbaren Kassenhäuschen unterbrochen, wo uns der Parkangestellte von einer mysteriösen Preissteigerung im letzten Monat erzählte und sich wahrscheinlich die Hälfte des Eintritts in die eigene Tasche gesteckt hat – aber dann begann das Abenteuer. Fedora und Peitsche wurden von uns ersetzt durch Baseballcap und Digicam und anstatt goldene Artefakte zu suchen, hielten wir eher Ausschau nach einsamen Stränden.

Wie im Film auch, wird’s in der Regel immer erst so richtig spannend, wenn mal was in die Hose geht. Hätte auch durchaus so kommen können – hätte uns ein Einheimischer nicht mit einer top Wegbeschreibung aus der Patsche geholfen…

.. oder hätten mich nicht zufällig andere Wanderer an einer Flussmündung auf das einzige und gleichzeitig viel zu große Krokodil „Pepe“ aufmerksam gemacht, bevor ich ins Wasser springen wollte…

… oder hätte Antje nicht kurz vor dem Verhungern diese Kokosnuss gefunden…

…hätten die zwei Hängematten am Strand kein Moskitonetz gehabt, um uns vor den 10 Millionen blutrünstigen Sandflys zu beschützen (diesen Ausgeburten der Insektenhölle, dem Fehler der Evolution, den nichtsnützigsten Lebewesen des Planeten werden wir vielleicht noch einen eigenen Beitrag widmen… ein Hass-Gedicht oder Ahnliches)…

… und wäre nicht auf dem allerletzten Campingplatz am Weg noch ein Zelt für uns frei gewesen, kurz bevor das Tropengewitter alles weggespült hat…

… und hätten wir nicht zuletzt immer wieder einen Weg vorbei an den metertiefen Schlammlöchern gefunden…

… ja dann hätte ich so richtig Stoff zum Schreiben gehabt!

So aber war’s einfach nur wunderschön! 🙂

Wir fanden gleich am Ende des ersten Tages den (beinahe) einsamen Traumstrand…

… sogar mit vorweihnachtlicher Deko:

Wir wanderten auf uralten Wegen durch ursprünglichen Küstendschungel, vorbei an alten Ruinenstätten…

 

Und die Travel-Ente fand Strände, die einem schon fast eine Reise auf die Seychellen-Inseln ersparen:

Dann war aber auch wieder Schluss mit dem Postkarten-Wetter. Wenn der Wind aus nördlicher Richtung die feuchten Luftmassen der karibischen See gegen den Regenmacher Sierra Nevada drückt, verwandelt sich die paradiesische Idylle rasch in eine Sintflut biblischen Ausmaßes. Die letzten zwei Stunden im Tayrona-Nationalpark gab es für uns einen unfreiwilligen gratis Vollwaschgang. Anfangs rannten wir noch, dann verkrochen wir uns unter einem überhängenden Felsbrocken, der aber nur vorübergehenden Schutz bot und schlussendlich wurden wir trotzdem so nass, dass es uns irgendwann egal war und wir schlendernd am Parkausgang ankamen.

Dort hörte es aber nicht auf, da fing es erst so richtig an! Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Palomino. Es regnete so heftig, dass es keinen Unterschied machte, ob der Scheibenwischer auf höchster Frequenz oder gar nicht lief. Die Straßen von Palomino waren mit einem Boot befahrbar. Wir hatten aber keins. Unser ausgesuchtes Hostel lag zu weit den Fluss (Straße) runter. Wir schafften es zumindest bis in eine kleine Tienda (Spanisch für Geschäft), um uns mit Enpanadas einzudecken. Alles war dunkel – Stromausfall in der ganzen Stadt. Ein holländisches Pärchen erzählte uns von einem Hostel gleich gegenüber. Wir blieben zwei Nächte im Kolibri-Hostel des lustigen Australiers Brad, bei dem alles „easypeasy“ war, hatten einen halben Sonnentag am Strand und fuhren wieder zurück nach Santa Marta. 

Zurück in der Großstadt in irgendeinem größeren Supermarkt ging das Sintflut-Abenteuer von vorne los – nur noch heftiger! Mit reihenweise Blitzeinschlägen direkt vor unseren Augen! Konnte uns (noch) relativ wurscht sein, weil wir drin, hinter den Kassen beim Angebotsdurchsager (diese Funktion gibt es in unseren Supermärkten glaube ich gar nicht) warteten. Während draußen die Welt unterging (siehe Video unten), hatten wir einen einstündigen Plausch mit dem Mann mit dem Mikro in der Hand. Der ganze Supermarkt wusste danach, was die Österreicher und die Deutschen am liebsten essen und trinken und wir bekamen eine private Führung durchs Wein- und Schnapsregal. 😀

Warum in Santa Marta die Randsteine (österreichisch für Bordsteine) so ewig hoch sind, wurde uns beim Verlassen des Supermarktes dann auch endlich klar – nämlich, damit man bei nicht vorhandener Kanalisation und Hochwasser als Fußgänger nicht ertrinken muss:

Gut, dass wir nicht nach Bogota, unserer letzten Station in Südamerika, schwimmen mussten, sondern ganz bequem den Flieger nehmen konnten.

Weil es auch in Bogota ordentlich triefte, war genügend Zeit für Indooraktivitäten wie das Gold- und das Smaragdmuseum. Ein paar kurze Streifzüge durchs lebendige Zentrum, mit all seinen Geschäften, der hippen Kneipenszene und den bunten, oft politisch angehauchten Streetarts gingen sich aber auch noch aus.

Und schwupps waren drei Monate oder besser gesagt exakt 100 Tage Südamerika vorüber!

Wir haben nicht wenige Traveller auf unserer Reise getroffen, die gleich ein ganzes Jahr oder länger auf diesem phantastischen Kontinent unterwegs waren oder sein werden. Können wir absolut verstehen!! 

Ein Südamerika-Fazit bzw. ein kleines Zwischenfazit würde an dieser Stelle aber den Beitrag sprengen, deshalb holen wir das mit einem Sonderbeitrag demnächst (Achtung – dehnbarer Begriff) nach und verlinken zum LATEINAMERIKA – VIDEO ! 🙂


Waren heute zum Mittagessen mal so eben außer (Neusee-) Landes… und zwar in der Republik Whangamomona! 😀

Das Dorf mit Maori-Namen, das aus ca. zehn Holzhäusern besteht und trotzdem irgendwie ein Rugbyteam zusammenbekommt, hatte Ende der 80er-Jahre einen verwaltungstechnischen Klintsch mit den Behörden und rief daraufhin einfach die Republik aus!  Genial, weil da nun niemand vorbeifährt, ohne einen Zwischenstopp in der Bordercontrol (=Kneipe) zu machen, um sich seinen Einreisestempel (=Ausreisestempel) abzuholen. 🙂

Grüße aus dem weißen Wahnsinns-Camper

Antje & Stephan

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