Thailand – Back to the Future!

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Phuket

Gerade einmal drei Tage ist es her, da saßen wir in unserem Hotelzimmer in Patong (Phuket) und schauten uns das frisch geschnittene Hawaii-Video im Endzustand an: „Verrückt… ist gefühlt schon eine halbe Ewigkeit her… „, dachten wir uns. Immer wenn ich einen Blogbeitrag verfasse, muss ich sogar noch viel weiter in der Vergangenheit rumwühlen, um alles Verstaute wieder hervorzukramen. Oft sind es ja die Kleinigkeiten, die lustigen Momentaufnahmen, die es wert sind, darüber zu schreiben. Leider geht da unweigerlich einiges verloren beim sechsmonatigen Schreibverzug. 

Deshalb dachten wir uns: „Warum mit der ollen Vergangenheit herumschlagen?? Auf in die Gegenwart!!“

Außerdem: Wer will schon eine Zeitung von vor einem halben Jahr lesen?

Also: Willkommen in Thailand 🙂

Episode 1: Im Thai-Massage-Salon

Wir schreiben den 17.05.2018. An unserem letzten Tag in Thailand war es dann doch noch soweit – wir gingen ins Massagestudio. Aber in welches? Die Auswahl ist gigantisch. Läuft man durchs Stadtzentrum von Patong, wird man von teilweise bis zur Unkenntlichkeit geschminkten Frauen und solchen, die gerne eine sein wollen (Ladyboys) schon halb in den Salon geschrien: „Massaaaaaaaasch????“, hallt es durch die Straßen. Bei den Ladyboys dreht man sich dann immer kurz verwundert um, weil Aussehen und Stimmlage nicht zusammenpassen. Am Ende entschied jedenfalls der Zufall. Weil unser Stamm-Restaurant noch geschlossen hatte, landeten wir spontan im gegenüberliegenden kleinen Wellnesstempel mit dem Infoschild „No Sex“ gleich neben dem Eingang. Soll wohl die Freier davor bewahren, das Happy-End zu verpassen. Sieht man ganz oft und zeigt eines: Der Sextourismus boomt! Fakt ist – wir haben in keinem der bisher bereisten Länder so extrem viele Romanzen zwischen meist hochsemestrigen Touris und teilweise erschreckend jungen Thai-Mädchen gesehen.

Antje entscheidet sich für eine Pediküre, während ich eine der Angestellten vor die unlösbare Aufgabe stelle, mich von meinen Rückenbeschwerden zu befreien. Ich wähle auf der langen Liste der Angebote die Back-Neck-Shoulder-Massage aus.

Andere Länder – andere Sitten… und Massagen. Kennt man ja aus Filmen oder Erzählungen – die kleine zierliche Thai-Masseuse, wie sie irgendwann mit dem Körpergewicht nachhelfen muss, um ausreichend Druck auszuüben. Aber das, was ich erleben sollte, glich schon fast einer Begegnung mit einem LKW.

Das Körpergewicht ersetzt die Fingerkraft und der Ellbogen ist die Waffe. Hat mit einem „Rumgeknete“ nicht mehr viel zu tun, aber war bei meinem versteinerten Kreuz genau das Richtige! Aus gegebenem Anlass musste ich leise den Refrain des Liedes „Denkmal“ der Band „Wir sind Helden“ („… hol den Vorschlaghammer… „) ins Massagekissen summen und es fiel mir in den nächsten 60 Minuten schwer, locker zu bleiben.

Während ich da so liege und angestrengt versuche zu entspannen, dachte ich plötzlich wieder an den Beißdruck bei Lebewesen. Misst man übrigens in Newton pro Quadratzentimeter – hatten wir mal gegoogelt, um herauszufinden, welche Spezies das stärkste Gebiss vorzuweisen hat. Die Masseuse hat mich zwar nicht gebissen, aber als sie immer wieder über mir einen halben Handstand gemacht hat und dabei ihre kleine Ellbogenspitze in meiner Rückenmuskulatur als Standbein benutzt hat, wollte ich ihr die Beißkraft-Goldmedaille verleihen.

Als sie dann doch einmal überraschenderweise die Finger zum Massieren der Schulterpartie benutzte und ich ein lautes Knacksen vernahm, welches ausnahmsweise mal nicht von mir ausging, war ich fast ein bisschen schadenfroh. Doch die Rache per Ellbogen folgte sogleich.

Zum krachenden Finale wurde noch eingerenkt. Hätte ich gerne mal meinem Orthopäden in Stuttgart gezeigt, die Methode. Bei seiner Antwort hätte er vermutlich zu den Worten „…um Himmels Willen…“ die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Tipp von mir: Wer noch keine Massage nach Thai-Style hatte (so wie ich) dem sei gesagt: Korpulente Masseuse + spitze Ellbogen = Folter

Aber muss eben auch manchmal weh tun, denk ich mir. Schmerzen mit Schmerzen behandeln. Jedenfalls fühlte sich der „LKW-Unfall“ Tage später an wie Muskelkater. Das deute ich mal als gutes Zeichen 😉

PS: Das stärkste Gebiss überhaupt hat übrigens der Weiße Hai 😉

Episode 2: Antje im Fieberwahn

Wir gehen jetzt weiter zurück in die Vergangenheit. Kaum per Fähre auf Phuket angekommen, klagt Antje nach dem ersten Tag am Strand am nächsten Morgen über leichtes Kopfweh. Wird schon nix Schlimmes sein – also leihen wir uns einen Motorroller aus und machen die Insel unsicher.

Nach Nepal und Indien kommt uns der thailändische Straßenverkehr geordnet und geregelt vor, als wären wir bereits zurück in der Heimat. Es gibt Verkehrsregeln, an die sich sogar jeder hält!

Erste Station war der Big Buddha, seit 2009 das neue Wahrzeichen der Insel. Eine 45 Meter hohe, mit burmesischem Marmor verkleidete Statue, die nur durch Spenden finanziert wird.

Antje muss sich die unzähligen Stufen bis zum höchsten Aussichtspunkt hochquälen. Irgendwas hat ihr den Stecker gezogen.

Wir drehen nur eine kleine Runde und machen uns auf zum entspannteren Teil des Ausfluges – dem Paradise-Beach. Der kleine hübsche Strand liegt am westlichen Ende einer kleinen Halbinsel unweit von Patong. Mit seinen großen Granitblöcken am und im Wasser und dem direkt angrenzenden Dschungel erinnerte uns der Paradise-Beach an die traumhaften Strände vom Tayrona-Nationalpark in der kolumbianischen Karibik. 🙂

 

Aber auch dort erholt sich Antje nicht wirklich. Das Kopfweh wird stärker, dazu kommen Schwindelgefühle. Vielleicht liegt’s ja am Klima oder der Sonne? Also rauf auf den Motorroller und zurück ins Hotel. Dort angekommen haut sich Antje gleich ins Bett und fängt an zu glühen. Wir tippen auf einen starken Sonnenstich oder evtl. sogar einen Hitzschlag. Hatte Christine auch zweieinhalb Tage lang gehabt in Thailand. Die Symptome passten jedenfalls dazu. Seltsam nur, dass wir eigentlich die meiste Zeit im Schatten lagen.

Nach zwei Nächten, an denen Antje buchstäblich geglüht hat wie ein Brennstab (schätzungsweise 40°+), dazu Gliederschmerzen, Durchfall, einen schlechten Kreislauf und dann plötzlich Nasenbluten am Morgen des dritten Tages hatte, dämmerte uns dann engültig, dass hier wohl was Heftigeres vorliegen könnte. Mit Paracetamol gegen das hohe Fieber, viel Wasser trinken und kalten Umschläge kamen wir jedenfalls nicht mehr weiter. Auf zum Arzt!

Nachdem Arzt #1 noch der Meinung war, uns mit Antibiotika abzuspeisen („looks like an infection…“) bestehen wir auf einen Bluttest.

Arzt #2 gesellt sich dazu, schaut sich die Blutwerte an und ruft den Notarzt! Dengue-Fieber!

Eine Stunde später liegt Antje im spezialisierten Krankenhaus und wird versorgt. Sofern das überhaupt möglich ist, muss man dazu sagen, denn gegen Dengue-Fieber gibt es keine Medizin. Man behandelt Fieber, Kopfweh und Durchfall.

Das Tückischste am Dengue, auch Knochenbrecher-Krankheit genannt, wegen der heftigen Muskel- und Gliederschmerzen, ist die Neigung zu inneren Blutungen. Der Virus lässt die Anzahl der Blutblättchen extrem sinken, was das Blut so dünn macht, dass man spontan bluten kann… überall, innen wie außen – daher auch Antjes Nasebluten. Zahnfleischbluten beim Zähneputzen? Schlecht! Also muss Mundwasser her, usw. . Der Normalwert für die Platelets (engl. für Blutblättchen) liegt zw. 150T – 400T. Ab einem Wert von unter 20T muss der Patient an die Bluttransfusion. Am insgesamt achten Tag der Erkrankung und einem Tiefstwert von 26T stiegen Antjes Werte glücklicherweise wieder rapide an! 🙂

Irgendwann holt dich die Statistik eben ein – könnte man sagen. Uns aber hat die Krankheitsstatistik nach unserer Lobeshymne auf unsere Gesundheit während dem ersten halben Jahr der Weltreise allerdings regelrecht überrollt!

Krankheitsakte Antje seit Fiji: 

  • Hartnäckige Grippe in Sydney
  • Affenangriff mit Biss in den Hintern
  • Dauerdurchfall im indischen Himalaya
  • Dengue-Fieber in Thailand

Meine Krankheitsakte seit Fiji:

  • Gürtelrose in Nepal
  • Schlecht verheilende Korallenschnittwunde in Nepal
  • Streptokokken-Infektion in Nepal (lief richtig rund in Nepal!)
  • Darminfekt (evtl. leichte Lebensmittelvergiftung) inkl. Fieber nach Rajasthan in Delhi, Indien

Der Dengue-Virus wird, wie die meisten Tropenkrankheiten, übrigens per Mückenstich übertragen und war vermutlich ein Souvenir aus dem – von den verseuchten Moskitos mal abgesehen – paradiesischen Railay in Thailand. Beitrag folgt als nächstes! 🙂

Nach der Entlassung und drei weiteren Tagen Schlaf gerade noch rechtzeitig fit für einen letzten Strandtag ging die Reise weiter…


Wir lassen uns derweil von keinem Virus und von keiner Bazille den Spaß verderben und sind nach der außerplanmäßigen Zusatzkrankenwoche in Phuket über das außerirdische Singapur heute Morgen in Afrika angelangt. 

Freuen uns schon riesig auf die nächsten Abenteuer in der Wildnis, hier auf dem letzten Kontinent unserer Reise. 

Jetzt haben wir nur noch 1 Stunde Zeitverschiebung und sind quasi schon fast zu Hause. 🙂

Liebe Grüße aus Addis Abeba, Äthiopien

Ein Gedanke zu „Thailand – Back to the Future!

  1. Da hatten wir in Thailand mehr Glück als ihr! Wir drücken euch die Daumen, dass jetzt wieder eine gesunde Phase eurer Weltreise beginnt und ihr ohne weitere Blessuren nach Hause kommt! Viel Spass in Afrika! Geniest eure letzten Wochen !
    Ich habe die Thai-Massage ähnlich erlebt, wie du. Auch ich wurde mit Ellenbogen, Knien und Füssen malträtiert und fand keine Entspannung !!!!

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