Grenzgänger

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Beiträge Bolivien

Brasilianisch-bolivianische Schnitzeljagd

Unsere erste Grenzüberschreitung stand an – und gleich eine der abenteuerlichsten. Warum? Weil wir weder unbürokratisch über einen Flughafen, noch über einen üblichen, stark frequentierten Grenzübergang ins Nachbarland, nach Bolivien, „zu Fuß“ einreisen wollten.

Google wird’s schon richten… Ergebnis: 1 Treffer. Zumindest ein brauchbarer und zwar aus dem Lonely Planet-Forum. Von Backpackern für Backpacker. Da hat einer die selbe blöde Idee gehabt wie wir – klingt gut – also her mit der Anleitung und los geht’s. Martin aus Dänemark, den wir in Joels Hostel kennengelernt haben, hängt sich an unsere Fersen:

  1. Wir steigen also wie im Forum beschrieben in den Bus von Cuiabá nach Caceres, der letzten größeren Stadt unweit der bolivianischen Grenze, denn nur dort gibt es den erforderlichen Ausreisestempel bei der Policia Federal. Ohne diesen kann man bei der Grenze direkt wieder umdrehen.
  2. Wir übernachten in diesem Kaff, in dem ein junger Einheimischer im Supermarkt völlig aus dem Häuschen ist, weil er Touristen antrifft und endlich einmal englisch reden kann – das kommt dort so gut wie nie vor!
  3. 4:30 Uhr (!!) aufstehen, denn um 5 Uhr fährt angeblich ein Minibus zur 2,5h entfernten Grenze, nach Corixa (geschätzte 50 Einwohner). Dem war dann auch so!
  4. Am Grenzübergang bei Corixa die Taschen leerräumen und bei Fragen in Fremdsprache einfach immer dümmlich lächelnd dreinschauen und mit den Achseln zucken – beste Taktik. Dem Grenzbeamten wird´s zu blöd und winkt uns durch.
  5. Sich ohne Fragen zu stellen in ein „Taxi“ verladen lassen, wie Gepäck. Reinsetzen und wundern, wie diese Rumpelkiste überhaupt noch in der Lage sein kann, Dinge zu befördern.
  6. Geheimes Foto von der Grenzüberschreitung machen und sich vom Taxifahrer belehren lassen. Man beachte, wie ab dem Grenzstein die geteerte Straße in eine Buckelpiste übergeht.
  7. Hinter der Grenze, in San Matias, an der neu errichteten Polizeistation aussteigen und den Pass mit bolivianischem Einreisestempel verschönern…und TATAAA – herzlich willkommen in Bolivien!!

Beweisbild:

Wir stehen nun also am Ortsrand von San Matias, sind offiziell eingereist und haben keine Ahnung wie’s weitergeht. Angeblich fahren vom Busterminal am anderen Ende der Stadt regelmäßig Busse nach Santa Cruz, unserem nächsten Ziel. Es dauert nicht lange und wir machen erste Bekanntschaft mit der bolivianischen Art zu verhandeln: Ein Taxifahrer wittert fette Beute und bietet uns eine neunstündige Fahrt in die besagte Großstadt an. Wir kennen die Preise und setzen etwas tiefer an. Ergebnis: Der Taxifahrer dreht sich verärgert um und fährt davon. Ah jach! Nett! Eigentlich wollten wir zumindest eine Fahrt zum Bus-Terminal, aber jetzt stehen wir mit voller Beladung am falschen Ende der Kleinstadt und laufen zu Fuß los, wir haben ja keine andere Wahl. Keine fünf Minuten dauert’s, bis ein Auto neben uns anhält und zwei freundliche Gesichter (Mutter & Tochter) fragen, wohin wir möchten. Überglücklich laden wir zu dritt den Kofferraum voll (Tetris), werden am Busbahnhof abgesetzt und bekommen sogar noch CD’s, mit evangelischer Kirchenmusik, vom Mann der Tochter, geschenkt 😀

Das ganze Procedere war so anstrengend, dass Antje und ich uns am Busbahnhof erst einmal eine „Sopa de Mani“ (Tagessuppe??? Manioksuppe???) bestellen. Unser dänischer Kumpel Martin hat auch Hunger, geht unserer Tagessuppen-Empfehlung nach und kommt keine Minute später mit rot-angeschwollenem Gesicht und seltsam verzerrter Stimme zurück. Allergieschock! Selbst von der heftigen Reaktion überrascht, wirft er sich sofort eine Überdosis Antihistamin ein und versucht sich zu beruhigen, während seine Atemwege immer weiter zuschwellen und seine Augen wie nach einem Boxkampf mit Tyson ausschauen. „Maybe there were some kind of nuts in the soup…“, vermutet Martin. Wie wir heute wissen, heißt „Sopa de Mani“ nicht Tagessuppe, sondern ERDNUSS-Suppe. Um Himmels Willen!!! Fast hätten wir ihn auf dem Gewissen gehabt! Martin nimmt den Mordversuch zum Anlass, mit einem andern Bus als wir nach Santa Cruz zu reisen (die Wahrheit ist – er will Internet, Liegebetten und Decken, wir wollen Geld sparen und fahren mit der Schrottklasse 😉 ).

Schaut dann so aus:

Omis kaputte Rückenlehne wird nur durch meine Beine gehalten. Und das für 14 Stunden!! 700 km, 600 davon über schlaglochverseuchte Buckelpiste!! Yes!!! Mama Schrammel würde sagen: Was einen nicht umbringt, macht einen nur härter (und spart Geld). Happy birthday to me…es ist der 21. August 😉

Was auf der einen Seite gespart wird, kann woanders rausgeschmissen werden. In diesem Fall wird nach dieser Wahnsinnsfahrt in ein Luxus-Hostel in Santa Cruz investiert – mit Whirlpool (funktionierte nicht), Internet (funktionierte manchmal) und einem Pool (-10 Grad). Dafür gab’s nette Leute und Caipi-Happy-Hour und das funktionierte einwandfrei!!


Kurzer Brasilien-Rückblick gefällig?? Klick HIER! 🙂

Dieser Beitrag wurde soeben in La Paz geboren, aus einer Katerstimmung der anderen Art heraus, denn uns hat gestern der erste 6000er unseres Lebens wieder heil, aber mit leichten Verschleißerscheinungen in die Zivilisation entlassen. Was da oben im ewigen Eis so alles an verrückten Dingen passiert ist, erfahrt ihr in ca. 11 Monaten…Scherz… wir holen auf 😉

Nach einer schlaflosen Nacht auf 5130m Höhe und den ärgsten Strapazen unseres Lebens (mit glücklichem Ausgang 🙂 ) stärken wir uns jetzt erst einmal im Traveller-Treffpunkt Cafe del Mundo mit einer deftigen Jausen und reichlich Kokatee:

Buen provecho und ganz liebe Grüße in die Heimat!

Antje & Stephan

 

 

 

 

 

 

6 Gedanken zu „Grenzgänger

  1. Ohje ihr armen! So ganz ohne Stress geht es wohl nicht! Aber meistens bleiben gerade diese Dinge haften. Ihr habt es ja mit dem nötigen Humor ertragen. Weiter so!!! Bleibt locker und erholt euch von eurem bergabenteuer!
    Die Schilderung eurer grenzüberschreitend sind mal wieder köstlich.wir mal wieder bei einem Glas Rose herzhaft gelacht! Liebe grüße von der cote d’Azur! !!!

  2. Hey hier Beiden Travelheroes,
    die Kollegen sind im Gedanken bei Euch!), und folgen emsig den neuesten Zeilen.
    Ich habe ne prima Freundin in Bolivien, Santa Cruz de la Sierra, falls ihr nen Kontakt braucht.

    Greetings von der anderen Seite der Welt
    Al-X

    1. Alex Etze? Bist dus? Die Beiträge hinken uns zu arg hinterher…sind schon lange nimmer in der Nähe von Santa Cruz…leider? aber Danke für den Tipp! Grüße aus Rurrenabaque

  3. Hallo Herr Klees.

    Hola, qué tal?

    Sehr schöne Seite und tolle Bilder.
    Das macht große Lust aufs Reisen.

    Genießen Sie die Zeit und jeden Moment!

    Saludos desde Alemania.

    Lutz Trender

    1. Hallo Herr Dr. Trender. Schöne Überraschung…und danke für’s Kompliment! Die Erlebnisse überschlagen sich bereits jetzt ? Grüße aus dem bolivianischen Dschungel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.