Auf nach Kolumbien!

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Unser Start im vielleicht abwechslungsreichsten Land Südamerikas

Prächtige Andengipfel, Vulkane, Amazonas-Dschungel, Wüste auf der einen Seite, Karibik-Traumstrände und eine wilde, unzugängliche Pazifikküste auf der anderen. Dazwischen wundervolle Kolonialstädte, eine bewegte Geschichte und extrem gastfreundliche Menschen…

…mehr Südamerika geht kaum!

Deshalb haben wir noch vor der Einreise unseren Flug nach Zentral-Amerika auch gleich mal um zehn Tage nach hinten geschoben. 😉

22 Tage Kolumbien – da geht schon was! Trotzdem viel zu groß das Land – also wieder auf die Highlights konzentrieren. Aber was sind eigentlich die Highlights? Vor der Reise kaum recherchiert, wollten wir einfach mal alles auf uns zukommen lassen, haben aber in der Zwischenzeit von anderen Reisenden massenweise Tipps mit auf den Weg bekommen.

Kurzer Blick auf die Landkarte, Topspots einzeichnen, Entfernungen kalkulieren, Busverbindungen checken, Route festlegen. Abfahrt!

Ohne Glücksbringer und Schutzweste durch Kolumbien zu reisen, war vor sechs Jahren noch eher unüblich. Der Ruf, der Kolumbien mittlerweile zu unrecht immer noch anhaftet, kommt nicht von ungefähr. Von Bürgerkriegen gespalten, von Guerilla-Gruppierungen und der Drogenmafia aus dem Untergrund permanent terrorisiert, erlebte das Land in der Vergangenheit dunkle Zeiten. Mit Präsident Juan Manuel Santos setzte ab 2010 ein Friedensprozess zwischen der Regierung und den Guerillas der FARC ein, der bis heute anhält. 2016 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Erst mit der Zeit trauten sich mehr und mehr Touristen nach Kolumbien. Für die Einheimischen ist der Reisende ein gern gesehener Gast, aber nicht wegen des Geldes, sondern weil sie sich freuen, dass man Interesse an ihrem schönen, geliebten Land zeigt. Man wird angesprochen, angelächelt und fühlt sich einfach willkommen!

Erster Stopp: MOCOA

Aber erst einmal über die Grenze. In Quito, Ecuador, trafen wir im Hostel Laura. Laura hat ihren Job hingeschmissen und braucht eine Auszeit. Ihre Reise fing in Kolumbien an. Weil sie vom Grenzübergang (Kolumbien – Ecuador) die schlimmsten Horrorstorys gehört hat, nahm sie sicherheitshalber den teuren Flieger von Hauptstadt zu Hauptstadt. „Ich hab noch niemanden getroffen, der an dieser Grenze nicht ausgeraubt wurde…“, meinte sie.

Das Lustige an diesen Horrorstorys ist immer die Tatsache, dass kein einziger, von dem wir solche Geschichten gehört haben, bisher persönlich ein Opfer eines Diebstahls oder Schlimmerem wurde.

Stille-Post-Prinzip der Angstmacherei! Aus „Münze im Taxi verloren…“ – wird nach dreimaligem (Weiter-)erzählen „… ausgeraubt von fünf maskierten Schwerverbrechern“. 

Also Fake-Geldbeutel einstecken und per Bus und Taxi rüber zum Grenzübergang. Kurze Anekdote zu meinem geliebten Fake-Geldbeutel: Seit mittlerweile vier Monaten warte ich darauf, dass wir endlich mal überfallen werden, damit ich dem später sehr enttäuschten Gangster meinen mit fünf 1$-Scheinen und einer zerschnittenen, abgelaufenen Kreditkarte + unnützem Mist gefüllten, ranzigen Geldbeutel in die Hand drücken kann. Vergeblich!

Vielleicht ja jetzt! 

Raus aus dem Taxi, Ausreisestempel Ecuador abgeholt, drüber über die gelbe Brücke, rein ins Migration-Office, her mit dem Einreisestempel Kolumbien, kurzer Plausch mit den Taxifahrern, rein ins Collectivo, weil die Taxifahrer ein halbes Vermögen verlangen und das war’s! Völlig unspektakulär, fast schon zum Einschlafen! Den Fake-Geldbeutel werde ich einfach nicht los!

Der Weg nach Mocoa führte uns über Nacht und zum Teil übelste Straßen bis hinunter an den Rand des Wahnsinns… äh den Rand des Amazonasbeckens, meinte ich. Antje konnte jetzt endlich wieder die Wintersachen verstauen. 😉

Wir hatten gehört, dass es hier unten im Regenwald tolle Wasserfälle geben soll. Deshalb waren wir hier. Gleich am nächsten Morgen hieß es, rein ins Badezeugs und runter zum großen Fluss. Bäche und Flüsse gibt es hier reichlich. Regen auch. Am 1. April 2017 mitten in der Nacht schoss hier nach einem Jahrhundert-Unwetter eine meterhohe Wand aus Wasser, Schlamm und Geröll durch die Kleinstadt. Knapp 300 Tote waren die Folge. Von der Tragödie sahen wir immer noch Überbleibsel. Aber zurück zum Ausflug:

Wir schlossen uns einer bunt gemischten Gruppe aus Esoterikern an und machten uns auf zum „Ende der Welt“ (Fin del Mundo)-Wasserfall. Später zur Gruppe noch mehr.

Im Dschungel, den zweistündigen Weg bergauf, kamen uns Flora und Fauna schon ziemlich vertraut vor, nach unserem Abenteuer in Bolivien:

Lustige Blattschneider-Ameisen, inklusive blinder Passagiere auf den Blättern:

Tarantel, hier im Baby-Stadium:

Wanderpalme, Trompillo-Baum, etc. alle standen sie wieder da rum. Wir wurden von den anderen schon für Biologen gehalten mit unserem (spärlichen) Fach- und (reichlichen) Halbwissen. 😉

Hoch oben am Berg bog dann der Weg ab und folgte einem spektakulären Flusslauf, quer durch die dichte Vegetation, entlang zahlloser Wasserfälle und toller Bademöglichkeiten:

Bild oben: Antje ausnahmsweise mal im Wasser. Böse Zungen behaupten, sie sei bloß vor der Mini-Tarantel ins warme Nass geflüchtet.

Der letzte der Wasserfallreihe war dann auch mit 80 Metern gleichzeitig der größte und Namensgeber des Trails:

Beim Baden und auf dem Weg zurück erzählte uns Pierre vom Zustandekommen seiner Gruppe. Die Mitglieder kamen aus den unterschiedlichsten, meist europäischen Ländern und waren allesamt Ayahuasca-Touristen. „Aya…what??“ – war unsere erste Reaktion. Für die Ayahuasca (im Weiteren nur noch mit „A“ abgekürzt, weil ich mich immer verschreib) -Anfänger unter den Lesern, hier eine kurze Zusammenfassung:

A ist der Name einer sehr speziellen Liane und für die Ureinwohner der Regenwaldregionen Lateinamerikas, speziell für die Schamanen, so ziemlich das, was LSD für die Hippies in der Flower-Power-Zeit war. Ein Mittel, um den Geist in Regionen zu beamen, die man nüchtern nicht zu erreichen vermag. Mit dem Unterschied, dass A im Gegensatz zu LSD rein pflanzlich aus dem Saft dieser Liane und anderen Spezialzutaten zusammengepanscht wird und nachweislich positive Auswirkungen auf die Psyche des Anwenders hat. Der Grund, weshalb Pierre hier war, war seine Frau, die auch Teil der Gruppe war. Von schweren Schicksalsschlägen gebeutelt und des Lebens nicht mehr froh, bestand die letzte Hoffnung für sie in alternativen Behandlungsmethoden. Laut Pierre schlug die fünfte Schamanen-Zeremonie, Behandlung oder „Sitzung“, wie auch immer man das nennen mag, an. Man kann sich nur schwer vorstellen, was A im Rahmen dieser Zeremonie mit einem anstellt. Bei Pierre und vor allem seiner Frau hat diese Reise ins Ich jedenfalls eine unbeschreiblich reinigende Wirkung auf Körper und Geist gehabt und alle Lebensgeister wieder eingehaucht. Diese reinigende Wirkung körperlicherseits gleicht leider den Symptomen einer heftigeren Magen-Darm-Katastrophe, weshalb alle Teilnehmer dieser Zeremonien mit Eimern ausgestattet werden und sich vermutlich permanent um die Kloschüssel streiten. Verrückte Sache dieses A!

Für uns hieß es, zurück im Tal, Abschied nehmen von der Gruppe und den zwei hübschen kleinen Prinzessinnen, die Antjes Handyakku mit ca. 100 lustigen Selfies endgültig leer gemacht hatten, während wir uns noch zwei frisch gepresste Zuckerrohrsäfte gegönnt haben.

Man beachte das professionelle Selfie-Duck-Face!

Weiter ging die Reise! Nächster Stopp:

SAN AGUSTIN

Anfahrt per Jeep-Shuttle, das für Kolumbien typisch ist:

Mit an Bord – dieses gesprächige junge Mädchen (an dessen Namen wir uns nicht mehr erinnern können) mit Mutter. Die Mutter machte gleich nach der Abfahrt ein ausgedehntes Nickerchen, während das liebe Mädl ganz viel Gesprächsbedarf hatte und unsere Spanischkenntnisse maßlos auf eine ganz liebe Art strapazierte. 😉

In San Agustin angekommen, checkten wir im Bambu Hostel vom hyperaktiven Gerrard aus Barcelona ein. Gerrard war selber mal Langzeitreisender, kam eines Tages nach San Agustin, sah dieses Haus, das zum Verkauf stand und schon war er kurzentschlossen Besitzer und Betreiber eines wirklich tollen, gemütlichen Hostels – mit antik knarzenden Holzdielen, einer unglaublich üppig ausgestatteten Gemeinschaftsküche, vielen internationalen Gästen, einer Katze namens Bambu UND Gratiskaffee! Gratiskaffee – die beste Erfindung seitdem es Kaffee gibt. Vor allem, wenn er dann auch noch aus dem angeblich besten Kaffee-Land der Welt kommt! 

Der Sache mit dem Kaffee sollten wir die kommenden Tage noch genauer auf den Grund gehen, aber zuerst mussten wir uns mal stärken. Reisen ist anstrengend! Reisen ist vor allem kein Urlaub. Im Urlaub bewegt man sich in einem Radius, der vom Bett bis zum Liegestuhl am Pool reicht. Beim Reisen wird man rund um die Uhr von Eindrücken bombardiert und überwältigt, während man Kontinente durchkreuzt. Permanent vom Verhungern bedroht, muss man da zu sich nehmen, was man in die Finger bekommt. Zum Beispiel eine 1m² große Pizza:

Dazu gibt’s hier im Süden Kolumbiens Poker, das nicht gespielt, sondern getrunken wird:

Beides in Kombination hat dann folgendes Resultat – es wurden Drillinge:

San Agustin liegt im vulkanisch geprägten Südwesten Kolumbiens auf einem Bergrücken, von tief eingeschnittenen Flusstälern umgeben (u.a. dem Rio Magdalena, dem längsten Fluss Kolumbiens) und zu Füßen aktuell ruhender, aber aktiver Vulkane im Nordwesten.

Highlights waren die ewig hohen Wasserfälle (bis zu 400m), die Kaffeeplantagen und die Relikte der früheren Hochkultur, die hier von ca. 3300 v. Chr. bis zum 16. Jahrhundert n. Chr. existiert hat:

Jetzt wissen wir auch, woher die Vorlage für Fuchur aus der „unendlichen Geschichte“ stammt:

Die Ruinen sind Gräber von Geisterbeschwörern, Priestern und Stammesfürsten und die Statuen stellen Wächter,  Mischwesen aus Mensch und Tier (oft Pumas und Jaguare), dar.

Zum wiederholten Mal (abgesehen von Machu Picchu) mussten wir auch hier leider feststellen und zugeben, dass unsere Begeisterungsfähigkeit in Sachen Ruinenstätte noch ausbaufähig ist. Häufig nachträglich hingestellte und inszenierte oder zu schön restaurierte Steinmonumente, die alle ähnlich ausschauen, wie z.B. variierende Jaguarzahnlänge, könnte man als Banause das Ganze zusammenfassen. Wir halten uns aber dann trotzdem immer die Tatsache vor Augen, wie beeindruckend es ist, vor wie langer Zeit dies alles entstanden ist.

Viel mehr Action und nachträgliche Schmerzen am Hinterteil brachte der vierstündige Ausritt durch die wunderschöne Landschaft um San Agustin:

Wie schnell 1 PS beschleunigen kann, wie lange Wasser braucht, bis es nach 200m unten aufschlägt und vieles mehr gibt’s im KOLUMBIEN – VIDEO auf die Augen!

Mit Denise aus Landau, die wir im Hostel kennen gelernt hatten, stiegen wir am letzten Tag noch einmal kreuz und quer durch die Kaffeeplantagen die Steilhänge hinunter in die Schlucht des Rio Magdalena.

Bild oben: Zwischen den Kaffeesträuchern werden alle möglichen anderen Nutzpflanzen, wie hier z.B. Kakao oder oft auch Bananen oder Papayas kultiviert. Warum das so ist und vor allem, wie der ganze Zyklus vom Kaffee-Keimling bis hin zur perfekten Tasse Kaffee vonstatten geht, erfuhren wir bei einer super interessanten Kaffee-Tour während unseres nächsten Stopps in der Zona de Cafe in Salento – dem Ort an dem die größten Wachspalmen der Welt rumstehen. Beitrag folgt! 🙂


Kann sein, dass der nächste Beitrag und vielleicht sogar alle Beiträge bis hin in die Gegenwart schneller kommen als uns lieb ist. Wir sind nämlich hier auf Big Island (Hawaii) vom Pech verfolgt und im AirBnB-Appartement gefangen in einem kleinen Kaff namens Pepeekeo an der Ostküste. Wer eine Ahnung hat, wie man auf dieser Insel ohne einen Mietwagen und ohne funktionierenden Bustransfer zu all den paradiesischen Sehenswürdigkeiten gelangt, die alle viel zu weit weg liegen – her mit den Infos! Unser bereits bezahlter fahrbarer Untersatz steht nämlich seit unserer Ankunft gestern immer noch am Flughafen am anderen Ende der Insel, nachdem wir am Car-Rental-Schalter feststellen mussten, dass wir den Führerschein im Hauptgepäck auf Oahu haben liegen lassen.

Potentiellen Ratgebern sei noch gesagt, hier gibt es kein Uber, den Führerschein zusenden zu lassen scheitert am nicht vorhandenen Postservice und Strand + andere hübsche Plätze liegen in fußläufig unerreichbarer Entfernung.

We are stuck!!!

Vielleicht drehen wir einfach die nächste Staffel der auf Hawaii aufgenommenen Kult-Serie „Lost“! Aber natürlich mit besserem Ende!

Leicht angenervte Grüße aus dem Paradies – der Neidfaktor müsste sich nun mehr als halbiert haben in der Heimat. 😉

Aloha!

Antje und Stephan

PS: Hawaii-Bilder aus besseren Tagen von der Insel Oahu gibt es HIER!

Ein Gedanke zu „Auf nach Kolumbien!

  1. Hab mal wieder herzlich gelacht,über die lustige reisebeschreibung,den lästigen fake-Geldbeutel …..Wir freuen uns schon jetzt auf die Drillinge! Die Bilder ,das muss ich neidlos anerkennen,sind noch schöner als meine!?

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